Mein Bauchzwerg

Geburtsbericht Mattis

01.12.2020 - 35. SSW - 34+5 Dienstag

Wir haben begonnen, das Spielzimmer auszuräumen und es in ein Geburtszimmer zu verwandeln. Hier möchte ich auch am 12.12. Mein Blessingway mit einigen Freundinnen feiern. doch die aktuelle Lockdown/Grenzsituation aufgrund Corona lässt die Chancen für ein Blessingway immer schlechter aussehen, was mich sehr frustriert…

02.12.2020 - 35. SSW - 34+6 Mittwoch

Heute bauen wir den Geburtspool auf, schwelgen mit den Kids in Erinnerung an die letzte Geburt und ich muss dabei ein bisschen weinen, weil ich absolut noch nicht loslassen möchte. Ich bin noch nicht bereit, ich möchte mein Baby noch ein bisschen im Bauch behalten.

(Im Nachhinein betrachtet wusste mein Unterbewusstsein da wahrscheinlich schon, dass die Geburt unmittelbar bevorsteht, nur ich wusste es noch nicht)

An diesem Abend gehen Chris und ich zusammen mehrere Stunden baden, geplant waren ja eigentlich noch 1,2 Besuche in der Therme, bevor wir wieder für ein paar Jahre nichts zu zweit unternehmen werden – doch Corona und der Lockdown haben uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber zumindest eine Badewanne haben wir nun endlich wieder und genießen diesen (unwissentlich) letzten wirklich entspannten Abend gemeinsam sehr.

03.12.2020 - 36.SSW - 35+0 Donnerstag

Ich habe eine leichte Blutung und bin beunruhigt. Bei Inge hätte ich eigentlich übermorgen einen Vorsorgetermin, aber sie möchte mich nun lieber schon morgen sehen. Ich stehe extrem unter Stress, seit Wochen ist unser Auto kaputt, wir sind gerade in Begriff, ein neues zu kaufen – wollen es noch Probe fahren – mussten uns dafür und zum Einkaufen etc. schon eines von meinem PapaMamaSchwesterBruder – ExSchwager ausleihen (Ja, das ist die Beschreibung für den liebenswerten Kerl, der mit seinen beiden fast erwachsenen Kindern, mein Neffe und meine Nichte – inzwischen meine einzige Familie ist.)und nun auch noch Sorgen um eine evtl. Frühgeburt, wo doch noch garnicht alles erledigt und bereit ist…

04.12.2020 - 35.SSW - 35+1 Freitag

Inge macht ein CTG und untersucht den Muttermund, der ist fingerdurchlässig, der gebärmutterhals noch bei 2cm. Dem Baby geht es gut, es ist keine sich vorzeitig lösende Plazenta. Zur Sicherheit entschließen wir uns aber trotzdem zu einem ultraschall von der Plazenta und die sieht gut aus. Inge beruhigt mich und meint, das Baby kommt bestimmt noch nicht. Ich teile ihr unsere Entscheidung mit, dass wir ab jetzt schon zuhause bleiben würden, auch wenn es offiziell noch zu früh für eine Hausgeburt ist. Ich habe mich belesen, ab wann was ausgereift ist beim Baby und auch mit Sarah Schmid besprochen. Inge weist uns drauf hin, dass sie uns offiziell ins Krankenhaus schicken muss aber wenn wir uns weigern, sie uns trotzdem begleiten muss. Sie gibt uns zu verstehen, dass sie uns nicht hängen lassen würde.

Im Anschluss fahren wir in Salzburg einen Bus Probe und entschließen uns zum Kauf. Das Auto kann Chris aber erst nach dem Wochenende holen. Als wir zuhause sind, stelle ich fest, dass die Blutung leider nicht aufgehört hat. Ich gehe Baden und werde ledier absolut panisch, kann mich nicht entspannen, kann kaum ruhig atmen und bekomme wirklich Angst, dass es schon los geht auch wenn Inge gesagt hat, wenn es wirklich schon los geht, ist es auch nicht dramatisch…Ich versuchem it unserem Baby zu reden, dass es sich noch Zeit lassen soll, ich bin einfach noch nicht bereit.

Am späten Abend setzen dann Wellen ein, die dann schon teilweise zu veratmen sind. Ich werde unruhig und wechsle vom TV schauen auf der Couch ins geburtszimmer, um es fertig zu machen für die geburt – es fehlen noch die Feinheiten. Wir sind bis spät in die Nacht beschäftigt – wir überlegen sogar noch, ein paar Babybauchshootingbilder zu machen, weil wir tatsächlich bisher keine gemacht haben aber es ist inzwischen schon halb 4 Uhr und wir beschließen, ins Bett zu gehen, wo ich auch sofort einschlafe…

05.12.2020 36.SSW - 35+2 Samstag

Ich wache um kurz vor 7 schon wieder auf und habe direkt wieder eine Welle. Ich gehe ins Bad duschen und anschließend auf direktem Weg ins Geburtszimmer, um dort auf dem Bett die Wellen zu veratmen. Chris ist wohl schon ziemlich schnell klar, dass die Geburt bereits im Gange ist, er hört es und sieht es mir an – ich brauche noch ein bisschen länger, bis es mir klar wird. Wir beschließen um ca. 8.30 Uhr, dass Chris nicht mehr wie geplant zum Einkaufen fährt und rufen kurz darauf Inge an, die verspricht in ca. 1,5 Stunden bei uns zu sein, auch meine Freundin Elke verständigt Chris, dass sie kommen soll zum Fotografieren und für die Kids. Ich muss erbrechen – bei mir ein deutliches Zeichen für die Geburt, und nehme direkt Nux Vomica.

Die Kinder wuseln um uns herum und sind natürlich ganz aufgeregt. Chris bereitet währenddessen den Pool vor, wie auch schon bei der letzten Geburt kann ich es kaum erwarten, endlich ins Wasser zu dürfen. Um kurz vor 9 sage ich meiner Blessingway-Whatsapp-Gruppe Bescheid, dass es nix mehr wird mit dem geplanten Blessingway in einer Woche. danach geht es dann gegen dreiviertel Zehn endlich in den Geburtspool und ich veratme/vertöne die Wellen und bin schon in der mit bereits wohl bekannten Geburtszwischenwelt ohne Raum und Zeit.

Ab diesem Zeitpunkt weiß ich nicht mehr viel und habe durch Fotos, Videos und meinen Mann den Geburtsbericht verfasst.

Ich kann mich dieses Mal irgendwie nicht wirklich fallen lassen wie bei der super entspannten, relativ schmerzarmen letzten Geburt meines Sohnes. Irgendwas ist anders – ich bin einfach nicht bereit dafür.

Meine Hebamme Inge kommt um ca. 10:45Uhr und hilft mir mit A, O,U,M zu tönen…Denn diesmal ist bei mir leider nichts mit Hypnoborthing und Aaaaas…Ich wollte den Dezember über noch ganz viel in meinem Geburtszimmer sitzen, meditieren und das Hypnobirthing wieder vertiefen, so war der Plan aber ich kam ja nicht mehr dazu…Um ca. 11.15 Uhr kommt Elke, jetzt sind die Kinder versorgt, denn leider funktioniert es nicht so wie wir es besprochen hatten, dass sie ruhig und brav sind. endlich kann mein Mann Chris zu mir in den Pool steigen, er setzt sich hinter mich und ich kann mich bei ihm anlehnen. auf diesen Moment habe ich mich am meisten gefreut, denn bei Emmas Geburt war ich vor ihm auf allen Vieren und hielt seine Hände, irgendwie waren wir da so weit voneinander weg und auch bei Niks Geburt konnte er nur draußen neben dem Pool sitzen, weil Emma nicht zu meiner Freundin auf den Arm wollte, sondern beim Papa bleiben. Ich denke, dass es bald so weit sein müsste im Vergleich zur letzten Geburt so vom Gefühl her und Chris auch, er sagt mir das auch, ich höre mich wohl auch schon so an wie bei den anderen beiden kurz vor der Geburt. Aber irgendwas ist diesmal anders. Zwischenzeitlich hat mein Mann Kreislaufprobleme, geht kurz raus zur Toilette und einen Schluck trinken und kommt wieder zu mir in den Pool, das bringt mich natürlich auch draus.

Es ist so anstrengend. Ich bin so müde, so fertig, so kraftlos. Ich denke gar nicht daran, meine Affirmationen am Fenster zu lesen und zu beherzigen…Ich versuche auch schon mitzudrücken aber nichts geht. Inge meint ich soll versuchen. kein Hohlkreuz zu machen, sondern mich krümmen, einen runden Rücken machen aber es tut so weh. Sie schlägt vor, dass ich mich im Pool auf die Seite lege, nimmt ein Bein hoch und macht Fußreflexzonenmassage, gibt mir Globuli. Ich lehne mich wieder nach vorne auf den Poolrand, Chris massiert mir das Kreuzbein, ich bin nicht sicher ob das gut tut oder nicht.

Ich umklammere irgendwann Inges Hände, sie hockt vor dem Pool und gibt mir Anleitung zum Atmen, sagt mir immer wieder das ich loslassen soll – Nein, ich will nicht und ich kann nicht…Ich bin noch nicht bereit, mein Baby loszulassen, will es noch nicht hergeben. Die Wellen überrollen mich jetzt, eine nach der anderen – oder eine einzige große? Ohne Pause, es hört gar nicht mehr auf.

Inge entzieht mir ihre Hände, ich klammere mich extrem fest aber sie braucht sie wohl selbst, das bringt mich draus, es wirft mich nach hinten um wo mein Mann mich auffängt und stützt und ich klammere mich an seinen Händen fest und kurze Zeit spät wird unser Baby endlich geboren um 12:46 Uhr, komplett in der intakten Fruchtblase. Inge hebt ihn aus dem Wasser, macht wohl auch die Fruchtblase ab und legt ihn mir auf die Brust.

Für einen kurzen Augenblick, bin ich überglücklich, erleichtert und fertig mit der Welt…

Nun ist unser Baby also da, es ist geschafft, wir können Kuscheln, wir werden nun ein wundervolles Wochenbett genießen mit Lotusgeburt, ausschließlich nackt kuscheln, stillen, abhalten, mit Stoff wickeln… Chris sagt kurz „Ich weiß schon was es ist…“ anhand seiner Stimmlage weiß ich, dass es ein Junge ist – wahrscheinlich macht er sich Sorgen, dass ich in Tränen ausbreche, weil es kein Mädchen ist, aber mir alles wurscht, mein Baby ist da, mein kleiner Mattis.

Und schon ist der Augenblick dahin – Inge meint, wir sollen ihn mal anpusten, er atmet nicht – als wir ihm ins Gesicht pusten, kommt ein Schwall Fruchtwasser und ich bin kurz erleichtert, aber auch das scheint nicht zu helfen, er sieht auch sehr blass, fast weiß aus, zumindest in meiner Erinnerung – Inge wird etwas hektisch und klemmt die Nabelschnur ab, Chris fragt mich ob ich diesmal abnabeln möchte – Nein, verdammt, will ich nicht, erstens will ich nicht von meinem Baby getrennt werden und das auch noch selbst machen, ich will doch eine Lotusgeburt – aber das denke ich nur und schneide die Nabelschnur durch.

Inge nimmt Mattis und legt ihn neben dem Pool aufs Bett, sie hört die Herztöne ab, verlangt nach dem Beatmungsbeutel – Chris ist schon aus dem Pool raus, ich sitze da und bin total durch den wind, bin nur noch am Zittern und bekomme alles nur durch einen Schleier mit. Elke und Chris suchen den Beatmungsbeutel, Inge hatte sich doch alles zurechtgelegt, wo ist er nur – ach runtergefallen, Inge findet ihn, es sind nur Sekunden aber gefühlt zieht sich die Zeit ewig. Inge bittet Chris den Rettungsdienst zu alarmieren und danach darum, mich aus dem Pool zu holen, bevor er eintrifft. Die Plazenta schwimmt schon neben mir im Pool, keine Ahnung wann die kam oder ob sie direkt mit Mattis geboren wurde?

Ich werde von Chris in eine Hose mit Einlagen, Handtuch und Bademantel gepackt und soll mich neben Mattis aufs Bett setzen, der zu dem Zeitpunkt schon wieder rosig und fit ist und von Inge immer wieder abgehört und untersucht wird. Ich möchte ihn gern halten, aber sie meint sie braucht eine warme Mama, ich soll solange seinen Fuß halten.

Der Rettungsdienst trifft ein, war in 3 bis 5 Minuten max. bei uns und es wird diskutiert, wie man weiter vorgeht. Inges und meine Hoffnung, dass Wir nicht mitkommen müssen, weil Mattis schon wieder fit ist, zerschlägt sich schnell, Der Hubschrauber wird angefordert. Hubschrauber, ernsthaft? Ich komme mir vor wie in einem schlechten Film. Inge meint, naja mal drauf schauen lassen schadet nicht, vielleicht könnt ihr abends dann schon wieder nachhause. Schon trifft der Hubschrauber ein und es wird wieder diskutiert, wohin sie mich bringen, mehrere Krankenhäuser stehen zur Auswahl, Österreich, Deutschland…Oder doch mit dem Rettungswagen? Nein es muss mit dem Hubschrauber sein…

Chris zieht mir noch eine Hose an und Inge packt mir Mattis in seiner roten Decke unter meinen roten Bademantel. So verlasse ich mit ihm das Haus und es ist ein unwahrscheinlich beschissenes Gefühl, die Geburtsblase zu verlassen, raus an die kalte Luft zu müssen ins helle Tageslicht, ich fühle mich wie eine Schwerverbrecherin, an der Straße stehen Leute, die schauen was da los ist. Gott ist mir das unangenehm. Chris berichtet mir kurz, dass ein Polizist durch unser Haus gelaufen ist. Ich soll nun in der Einfahrt in den Rettungswagen steigen um von da 100 Meter rauf auf die Wiese gefahren zu werden und dort in den Hubschrauber umzusteigen. Ich bitte Inge noch schnell, mir beim ersten Anlegen zu helfen – Mattis macht direkt super mit, Gott sei Dank. Beim Hubschrauber steht die Polizisten, ich frage warum sie da sind – sie müssen den Hubschraubereinsatz begleiten. Ich soll mich mit Mattis auf die Trage legen, werde festgeschnallt und in den Hubschrauber gehoben, da drin ist es wahnsinnig eng, ich bekomme Kopfhörer auf, soll Mattis die Ohren zuhalten, wenn möglich. Wir fliegen los, es dauert nicht lange 5 bis 10 Minuten und währenddessen stille ich Mattis und nehme mir fest vor, ihn komme was da wolle, keine Sekunde aus der Hand zu geben. Ich kann mir in etwa ausmalen was da nun auf uns zu kommt und es ist, als würde ich innerlich Kriegsbemalung anlegen und mich auf einen Kampf einstellen.

Im Krankenhaus oben auf dem Dach angekommen, sage ich dem Mann der neben mir sitzt direkt, dass sie ihn gern untersuchen dürfen aber ich ihn nicht weggeben werde, man uns nicht trennen dürfe. Der Mann sieht schon recht zweifelnd drein und meint, mal schauen, was sich machen lässt. im Eingang kommt direkt eine Schwester und erklärt mir, dass sie ihn nun mitnimmt zur Untersuchung und ich erstmal in den Kreißsaal muss, um mich untersuchen zu lassen, schließlich hätte ich gerade ein Kind bekommen. Ich versuche mein bestes, aber ich schaffe es nicht und werfe mir das auch heute noch vor, sie keift mich an ob ich wertvolle Zeit verschwenden möchte oder ob ich möchte, dass Mattis untersucht wird, falls ihm was fehlt. Ich erkläre, dass es mir gut geht und man mich meinetwegen auch auf der Kinderintensivstation untersuchen könne – nein das muss im Kreißsaal sein. Also gebe ich Mattis aus der Hand, erkläre, dass er untersucht werden darf aber nichts ohne mein Einverständnis gemacht wird an Zufüttern, Medikamenten etc. – interessiert die Schwester augenscheinlich wenig) und lasse mich mit dem Rollstuhl in de Kreißsaal kutschieren. Dort untersucht mich eine wahnsinnig liebe Hebamme, die mir keinerlei Vorwürfe macht, absolut pro Hausgeburt ist und mir erklärt, dass ich 2 Stunden im Kreißsaal bleiben müsste bis ich gehen darf, warum auch immer. Sie schaut, dass es vielleicht auch auf eine Stunde geht. Sie macht mir auch Mut, dass wir vielleicht ja abends wieder gehen können, wenn alles passt. Dass nicht alles passt, ist mir aber fast klar, wenn man sich mal die Babysendungen im Tv ansieht, weiß man, dass zu 99% nach so einer Geburt in der Klinik nicht alles passt – sei es der Zuckerwert oder die Sauerstoffsättigung oder whatever…Sie erklärt mir, dass mein Mann mich im Kreißsaal kurz besuchen dürfe, wenn er rechtzeitig ankommt (er musste noch Sachen packen und die Kinder zu einer Freundin bringen und ist uns dann hinterher gefahren) – dass wir uns aber auf der Kinderintensivstation nur abwechseln dürfen und nicht gleichzeitig Mattis sehen können, soweit sie informiert ist. Das ist natürlich zusätzlicher psychischer Stress für mich und ich bin immer wieder am Weinen, sitze allein im Kreißsaal und warte. Immerhin hat man mir eine Flasche Wasser hingestellt, Es war ca. 14 Uhr bei unserer Ankunft, ich habe heute noch nichts gegessen oder getrunken, im Gegenteil ich habe erbrochen und ein Kind geboren…

Auf jeden Fall muss mich ein Gynäkologe zuerst untersuchen und einen Ultraschall machen (Wozu? Zuhause hätte den auch keiner gemacht…Ich bin maximal genervt, lasse aber alles über mich ergehen – möchte einfach nur schnell zu meinem Kind) Es kommt eine Ärztin von der Kinderintensivstation, um mir mitzuteilen dass es Mattis „soweit“ gut geht aber sein Zuckerwert sehr niedrig ist und er unterkühlt war mit nur 34 Grad und im Wärmebett liegt (Ja der Geburtspool war zum Schluss schon sehr kühl aber das hätte man nach der Geburt sicherlich gut ausgleichen können, wenn man uns nicht im kalten Hubschrauber in der Gegend rum geflogen hätte) – die Ärztin ist unfreundlich, fragt ob ich das so geplant hatte zuhause zu bleiben und macht mir natürlich Vorwürfe, dass mein Kind aufgrund meiner falschen Entscheidung tot sein könnte etc. pp. Sie möchte von mir wissen, ob wir in der Schwangerschaft irgendeinen Test gemacht haben, weil Mattis sonst geimpft werden müsse, möchte die Telefonnummer meiner Hebamme haben – ich weiß grad garnicht, um was es ging aber es stellte sich später heraus, dass wir den Test gemacht haben bei Inge. Jedenfalls reagiert sie auch da sehr ungehalten, als ich ihr sage, dass Mattis garnicht geimpft wird und sie bitte nichts ohne meine Einwilligung machen sollen, weder zufüttern, noch irgendwelche Medikamente etc. ja das Kind hat Unterzucker – Ich entgegne, dass man mich dann endlich zu ihm lassen soll, damit ich stillen kann. Ja da muss ich auf den Arzt warten.

Der Arzt kommt, macht einen Coronatest mit mir, das ganze Jahr kam ich um diesen Mist herum, aber nun muss es sein…nimmt mich mit dem Rollstuhl mit in ein Untersuchungszimmer zum Ultraschall, wo natürlich alles passt. Er möchte meinen Rhesusfaktor testen und nimmt mir Blut ab – ich erkläre zwar mehrfach, dass mein Mann und ich beide negativ sind und das auch im Mutterpass so drinsteht. Ich beteuere, dass wir uns sicher sind, die Eltern zu sein („Sie sind sich vielleicht sicher aber wir nicht“ – ach wie nett) Nun werde ich von einer Schwester abgeholt, die bei meinem Mann unten an der Pforte bereits meine Reisetasche abgeholt hat – mein Mann darf nämlich nicht rein. und sie bringt mich auf die Station, wo ich ein Zimmer bekommen soll – nicht bei meinem Sohn auf der intensiv, den sie haben noch kein RoomingIN – ich bin kurz vorm durchdrehen und erkläre, dass ich nicht bleiben werde, sondern mich und meinen Sohn direkt entlasse auf eigene Verantwortung. Wir lassen meine Sachen erstmal dort und die Schwester fährt mich auf die Intensivstation, währenddessen flüstert sie mir zu, dass sie mich bewundert wie ich kämpfe, dass sie es genau richtig findet und dass sie selbst mal in einer ähnlichen Situation war als Mama…Dass sie das aber natürlich niemals offiziell zu mir sagen dürfte und ich bitte auch nichts darüber zu anderen Mitarbeitern sagen soll.

Endlich komme ich bei meinem Sohn an gegen 16.30 Uhr, ich muss eine FFP2 Maske tragen – er liegt in seinem Wärmebettchen angeschlossen mit zig Kabeln am Monitor…Schrecklich…Angezogen haben sie ihm natürlich auch schon etwas. So hätte das alles nicht sein sollen, wir sollten jetzt zuhause sein und stillen und kuscheln und zwar nackt, mit der Plazenta am Kind. Eine Schwester sagt mir, er muss mindestens 6 Stunden da bleiben insgesamt, die Ärztin sagt mir was von Polizei und Jugendamt, wenn wir gehen – das Wort Kindswohlgefährdung fällt mehrfach, übrigens auch in den darauffolgenden Tagen. Eine Intensivkrankenschwester ist sehr sehr nett, sie scheint zu verstehen worum es mir geht – Stillen, Bonding, keine getrennten Zimmer, häusliche Umgebung, mein Mann der sich um alles kümmern kann … Dass es mir sehr wohl um das Wohl meines Kindes geht und ich der Meinung bin, dass es uns zuhause am besten gehen würde. Sie sagt er soll mindestens 2 Stunden noch bleiben und ich soll solange abpumpen – ich habe Mattis kurz halten dürfen aber er trinkt nicht mehr so toll, wie er es im Rettungswagen getan hat, ich soll mich neben ihn setzen, ihn anschauen und pumpen. sie klärt inzwischen mit der Ärztin, dass wir gehen.

Chris wartet die ganze Zeit im Auto, kann wegen Corona noch nicht mal einen Kaffee trinken gehen und muss frieren. Man möchte uns nun einen Oberarzt schicken, der uns aufklärt – Chris soll dazu geholt werden zum Gespräch. Während ich allein in dem Babyzimmer bin, nur mit anderen Eltern und Babys – kommt eine Mutter zu mir, flüstert mir zu, ich soll aufpassen was ich sage, die würden hier alles notieren und dokumentieren und gegen einen verwenden, sie wäre schon länger hier mit ihrem Kind und hat inzwischen aufgegeben, hier raus zu kommen – sie hatte schon Jugendamt, Psychologe etc. das volle Programm. sie ist zuhause und kommt immer zum stillen und Pumpen rein…Die Ärztin schüchtert auch meinen Mann ein mit Hinzuziehung der Polizei.

Es ist inzwischen 18 Uhr, ich darf mit Mattis kuscheln – wir warten immer noch auf den Oberarzt und meinen Mann, der sitzt inzwischen vor der Station, darf aber nicht rein. Die Schwester gibt mir währenddessen Ratschläge für zuhause, ist wohl davon überzeugt, dass wir gehen.

Gegen 18.30 Uhr werden alle anderen Eltern hinausgeschickt und der Oberarzt kommt, um auf uns einzureden. Kindswohlgefährdung, Polizei, Jugendamt – wenn wir doch wenigstens eine Nacht bleiben könnten zur Beobachtung…Dann hieß es aber wieder Vielleicht mit Monitor würden sie uns nachhause lassen aber da bräuchten wir eine Anweisung und die kann uns am Sonntag keiner geben, also wenn wir doch wenigstens bis Montag bleiben könnten…Wir merkten da schon, dass man uns hinhalten möchte, so lang wie möglich…

Wir konnten aber immerhin aushandeln dass ich in ein Zimmer mit Mattis komme, und das war zumindest ein erster Erfolg. Ich musste mich dazu entlassen und bekam ein Zimmer auf der Kinderstation mit ihm samt seinem Wärmebett. Dort sollte Chris auf uns warten und ihm wurde erlaubt, noch 2 Stunden mit uns zu verbringen, weil Väter im Kreißsaal das ja auch dürfen. danach dürfe er uns aber nicht mehr besuchen. Chris wartete in meinem Zimmer über eine Stunde auf uns, denn Mattis soll nochmal Blut abgenommen werden und keiner kommt, alles zieht sich ewig.

Es ist 21.15 Uhr als ich endlich mit Mattis in mein Zimmer zu meinem Mann komme – wo wir nun noch 45 Minuten miteinander haben statt der versprochenen 2 Stunden. Ich schlinge mein Abendessen runter, bin total ausgehungert und fertig mit der Welt.

Das war also der erste Geburtstag meines Sohnes – die nächsten Tage sind nun ein einziger Kampf – jeden Tag diskutiere ich mit der Frühschicht, dass wir weder Stillhütchen noch Fläschchen noch Schnuller verwenden…um es mit der Spätschicht wieder neu zu diskutieren. Jeden Tag versuchen wir nachhause zu kommen, doch es fällt ihnen etwas neues ein.

06.12.2020

Am Sonntag kann man nämlich den Monitor garnicht bestellen, deshalb überredet bzw. zwingt man uns, bis Montag zu bleiben. Dafür können wir aushandeln, dass chris mich doch besuchen darf und ich 8 Stunden pro Tag nackt mit Mattis kuscheln darf, wieder ein kleiner Teilerfolg. Emma und Niklaus können währenddessen wieder zu unserer Freundin, Gott sei Dank, denn sie dürften wegen Corona nicht mit. Auch für sie ist die ganze Situation sehr belastend, ein weiterer Grund warum ich unbedingt mit Mattis nachhause möchte.

Selbst die Katze hat das Geburtszimmer nicht verlassen, seit wir wegmussten und frisst tagelang nichts. Solang Chris bei mir ist, geht es mir einigermaßen gut, aber in der Nacht kann ich kaum schlafen (in den 2 stunden zwischen dem Stillen und wickeln) weil ich so Heimweh hab und mich das alles so fertigmacht.

 
 

07.12.2020

Heute wird der Monitor nun zwar bestellt aber kann so schnell garnicht geliefert werden und wir brauchen schließlich auch eine Monitoreinweisung von der Firma und gleichzeitig eine Reanimationseinweisung von der Ärztin – außerdem hatte Mattis in der Nacht einen größeren Sättigungsabfall und da behalten sie uns sowieso mindestens weitere 48 Stunden da, also bis Mittwoch.

Chris ist im Gespräch mit der Hebamme und der Rechtschutzversicherung, wir überlegen zwecks Entlassung oder Verlegung in ein anderes Krankenhaus, das vielleicht stillfreundlicher wäre oder eine Verlegung zur Hebamme ins Geburtshaus (dem wollen aber die Ärzte genauso wenig zustimmen) – man droht weiterhin mit Jugendamt und Polizei, wenn wir gehen. Wenigstens ist Mattis seine Nadel para gegangen und kam raus, die ist gut weiter. Keine Glucose mehr. Jetzt haben wir nur noch die Kabel von der Monitorüberwachung und den Fußsensor, mit dem wir uns rumärgern dürfen. Das Ergebnis meines Coronatests ist wohl abhandengekommen …sowas…

In der Nacht hatte ich Mattis ein paar Stunden bei mir im Bett und siehe da, er hatte trotzdem seine 37°C und das ohne Strampler – wie in seinem Wärmebettchen auch. Ich muss ja auch bei jedem wickeln mit einem Fieberthermometer seine Temperatur im Po messen, weil es nicht schon schlimm genug ist für ihn hier. Außerdem soll man nicht mit Baby im Bett schlafen, man wollte es mir sogar verbieten aber irgendwo ist auch mal Schluss. Heute soll eine Stillberaterin kommen (um mir zu bestätigen was die Schwestern mir auch versuchen einzutrichtern – Stillhütchen sind ja garnicht so schlimm – keine Ahnung wo ihr Problem liegt, wir stillen auf beiden Seiten, lediglich rechts etwas leichter als links, aber es funktioniert)

Inzwischen ist auch noch durchgedrungen, dass wir uns normalerweise vegan ernähren da ich von der vegetarischen Kost und dem ganzen Kuhmilchkäse Verstopfung habe und um ein Medikament dagegen gebeten habe – ausnahmsweise bekomme ich etwas Abführendes für Kinder – ich bin keine Patientin mehr, musste mich ja entlassen um als Begleitperson mit Mattis in ein Zimmer auf der Kinderstation zu dürfen – man hat nicht einmal mehr meine Rückbildung kontrolliert, abgetastet, gefragt wie es mir geht – nichts) – die Schwestern sind da natürlich schlecht informiert und machen sich Sorgen, natürlich muss nun sein B12 und sein Eisenwert getestet werden etc. pp. Aber der Chefarzt bei der Visite scheint schon in der Neuzeit angekommen sein und lobt mich für unseren Beitrag zur Umwelt und scheint auch zu wissen, dass vegane Ernährung und Mangelernährung zwei Paar Schuhe sind.

Immer und immer wieder drängt man mich zum zufüttern des Primergens, weil Mattis weiterhin abnimmt (Babys nehmen nach der Geburt ab, das ist vollkommen normal) und man möchte, dass ich eine Stillprobe mache (vor und nach dem Stillen wiegen, diese setzt mich enorm unter Druck, dann ist auch noch die Waage nach dem Stillen kaputt und man bringt eine andere, es waren dann 5g weniger als vorher – um Gottes willen, wieder dringend zufüttern, das Kind muss heute schon mindestens 30ml trinken. Die Ärztin meint, wenn er am nächsten Tag nicht zugenommen hat, muss er wieder eine Nadel gelegt bekommen und schlägt später bei der Untersuchung eine Magensonde vor – dass sei besonders stillfreundlich…ich lehne erstmal ab. Außerdem weise ich darauf hin, dass der Magen eines Neugeborenen schließlich nicht größer ist als eine Erbse und man den nicht jetzt schon überdehnen muss – da bekomme ich nur die typische Antwort, Ausrede für alles – „ja bei Reifgeborenen ist das so, da haben sie recht aber hier geht es um ein Frühchen“ – Ja, richtig – aber ist sein Magen deshalb größer?

Mattis wird wieder gepiekst und geschunden beim Blut abnehmen…warum der arme keine Schnuller bekommt, darf er wenigstens Glucose/Sab Simplex oder Lefax auf dem Finger haben um die Schmerzrezeptoren auszuschalten? Können wir das nicht beim Stillen machen? Nein er muss natürlich auf dem Untersuchungstisch liegen. Ob ich nicht lieber draußen warten will, ob ich das schon mit ansehen kann…klar, weil ich mein Baby aus den Augen lasse und ihm nicht beistehe…Und er soll nun Koffein bekommen, uns wird es so vermittelt, dass er dadurch wacher und fitter sein soll, um besser und mehr zu trinken. Dass es eigentlich eher dazu ist, die Atmung zu unterstützen erfahren wir erst zuhause…

Ich versuche nach jedem Stillen mit Löffel, Spritze mit Schlauch und mit dem Medela Softcup das Primergen in ihn zu bekommen. Es gestaltet sich aber sehr schwierig, da er beim Stillen meist einschläft und ich ihm dann im Halbschlaf zufüttern darf. Dazu nach jedem Stillen abpumpen und wickeln. Die Stationshelferinnen holen mein Essen regelmäßig 2 Stunden später ab als geplant und „ermahnen“ mich zu essen und zu trinken, sie kümmern sich ganz lieb, bringen mir auch mal eine Kanne Stilltee. Auch das ist etwas, was zuhause viel einfacher wäre – mein Mann könnte mir helfen, mich unterstützten, Mattis wickeln oder mich beim Stillen füttern. hier bin ich allein mit allem. Das Bett ist auch extrem unbequem, so eins von der alten Sorte. Stillberaterin war natürlich keine da, die hatte heute frei.

08.12.2020

Für morgen bekommen wir nun einen Termin für die Monitoreinweisung und Reanimationsunterweisung und die Zusage, dass wir danach am Nachmittag nachhause dürfen. Mit einer Schwester der Spätschicht darf ich nun wieder diskutieren, ob ich wirklich will, dass mein Kind eine Magensonde bekommt, ob ich nicht doch lieber ein Fläschchen geben möchte – Nein möchte ich nicht. außerdem weise ich drauf hin, dass laut der Oberärztin die Magensonde sogar stilfreundlicher sein soll.

Heut pumpe ich bereits 30ml ab und bei der Stillprobe sind es 20g, die er nach dem Stillen mehr wiegt und bin mega stolz – bekomme aber direkt einen Dämpfer so ungefähr ist ja wohl das mindeste, soll ja heut auch schon mindestens so viel trinken. Außerdem pinkelt er der Schwester zu wenig – ja seit die Glucoseinfusion weg ist, ist es etwas weniger aber meiner Meinung nach kein Grund zur Sorge. Stuhlgang hat er auch regelmäßig. Ich soll nun erst zufüttern und dann stillen laut der Schwester (jede sagt hier ohnehin etwas Anderes) – das passt mir so garnicht, da ich schließlich möchte, dass er sich seine Milch bestellt und nicht, dass er beim Zufüttern einschläft und dann zu k.o. zum stillen ist. Da ich im Anschluss jedes Mal pumpen soll, muss ich ihn auch direkt ablegen und kann garnicht mit ihm kuscheln. Ich muss nun ein Einfuhr/Ausfuhr-Protokoll führen, das auch noch – jedes Stillen, jedes Pipi, jedes Kacka aufschreiben mit Uhrzeit und die Temperatur dazu – das ist mal ne tolle Beschäftigung für ein ohnehin schon beschissenes Frühwochenbett – und wehe ich vergesse einen Eintrag, dann darf ich mir was anhören.

Auch das nackig Kuscheln ist dank der Klebeelektroden ein Ding der Unmöglichkeit, da sie schnell abgehen oder man an den Kabeln hängen bleibt. Heute ist es schon nicht mehr so einfach, Mattis in sein Wärmebettchen zulegen – er ist nun schon ein „verzogenes Kind“ und möchte lieber bei seiner Mami am Busen schlafen 🙂 Die Stillberaterin war am Abend dann endlich da, nachdem ich 2 Tage warten durfte und hat mir letztlich eigentlich alles bestätigt. wir machen es richtig und die lieben Schwestern sind teils wirklich schlecht informiert. Und der Milcheinschuss ist bereits in vollem Gange.

Immer wieder höre ich den Hubschrauber landen auf dem Dach und breche dabei in Tränen aus, kann dieses Geräusch absolut nicht ertragen.

Ich schwanke zwischen Dankbarkeit, dass Mattis lebt und dem schlechten Gewissen, dass ich nicht einfach dankbar sein kann sondern extrem unzufrieden bin mit dem ganzen Verlauf, dass wir hier im Krankenhaus sind und nicht zuhause…Im Nachhinein betrachtet bin ich aber auch sicher, dass mein Gefühl richtig war, mein Bauchgefühl hat mir immer gesagt, dass alles in Ordnung ist und wir zuhause besser aufgehoben wären. Er hatte Sättigungsabfälle, aber konnte sich immer selbst oder mit ein wenig Aktivierung fangen und wir glauben, dass Emma das tatsächlich anfangs auch hatte nur wussten wir es da nicht besser und waren ja direkt nach der Geburt zuhause. Wer weiß, wie viele Kinder das nach der Geburt haben ohne dass es gemessen und bemerkt wird.

 
 

09.12.2020

Inzwischen pumpe ich bereits 65ml ab. Er soll aber heute auch 50ml trinken. Heute freue ich mich, dass wir endlich heim dürfen. es wird ein anstrengender Tag mit den ganzen Einweisungen und Gesprächen und dazu Stillen und Pumpen aber wir gehen nachhause. Ich packe alles zusammen und erfahre dann um 10 Uhr, dass sie uns noch 1,2 Nächte dabehalten möchten, weil er weiter abgenommen hat und ein paar Sättigungsabfälle hatte. Ich bin richtig wütend und verzweifelt, muss weinen als die Ärztin mir das mitteilt und sage ihr auch, dass das für mich absolut nicht in Ordnung ist. Sie hatte mir mitgeteilt, dass wir heute gehen dürfen und das war an nichts gekoppelt, weder daran, dass er zunimmt noch daran, ob er Sättigungsabfälle hat – es hieß wir dürfen heute heim und Punkt. Da wird die Ärztin sehr kleinlaut und es ist ihr sichtlich unangenehm – ja sie hatte sehr gehofft, dass es sich regeln würde, sie wollte halt keine weitere Konfrontation mit mir. hmmm…

Ich bin kurz davor, Amok zu laufen und wirklich am Ende – wie lang soll das noch so weitergehen, dieses ewige Vertrösten? In 1,2 Tagen wird er auch nicht zugenommen haben und die Sättigungsabfälle werden wohl noch eine Zeitlang so gehen, wir haben ja schließlich inzwischen auch schon zu dem Thema Apnoe-Bradykardie-Syndrom selbst einiges recherchiert. In meiner Verzweiflung willige ich sogar ein, eine Magensonde zu legen, wenn wir wenigstens dann gehen dürfen.

Gott sei Dank kommt Chris gleich zur Monitorsprechstunde – ich bin nur am Weinen und habe absolut keine Lust auf 1,5 Stunden Einweisung mit einem fremden Mann neben meinem Bett, während ich stille und danach nochmal genauso lange Reanimationseinweisung. Aber Chris ist da, das ist erstmal alles was zählt – in der Hoffnung, er könnte mich da rausboxen.

Nachdem wir also die Monitoreinweisung mit einem immerhin sehr netten Herren hinter uns gebracht haben, haben wir wieder ein sehr langes Gespräch mit 2 Ärztinnen und vielen Tränen. Die beiden sind sehr nett und scheinen uns zu verstehen, wir verstehen auch, dass sie es nicht böse meinen aber eben so reagieren müssen in diesem System. Auch wenn wir uns heute entlassen würden, würde man das Jugendamt verständigen. Sie könnten uns nicht daran hindern, zu gehen aber wir müssten halt damit rechnen, dass wir dann das Jugendamt am Hals haben, Mattis zwangseingeliefert wird etc.

Man schickt uns auch noch eine Kinder und Jugendpsychologin, um uns zu bequatschen. die Frau ist nett, versteht mich gut, hatte wohl selbst als Mama eine ähnliche Situation aber natürlich ist auch sie ans System gebunden.

Es folgt etwas später ein weiteres Gespräch mit den Ärztinnen, es gibt durch unsere Hartnäckigkeit ein weiteres Zugeständnis. Da ich ohnehin allein im Zimmer bin, darf Chris bei mir schlafen und das zu Coronazeiten. Die Ärztinnen scheinen zu merken, dass es mir zunehmend psychisch schlechter geht. Chris macht aber direkt deutlich, dass es nur eine Nacht geht – wir können unseren anderen beiden Kindern das nicht weiter zumuten, dass sie ständig zur Freundin sollen und nun auch noch der Papa weg ist. Ich habe ihnen gegenüber ein mega schlechtes Gewissen, aber ich brauche meinen Mann gerade wahrscheinlich mehr an meiner Seite. Chris bekommt ein Bett und von nun an ist es wenigstens nur noch geteiltes Leid. Er nimmt mir das Wickeln komplett ab und wir können reden, ich bin ein bisschen abgelent, es tut sooo gut.

10.12.2020

Plötzlich lässt man uns komplett in Ruhe, seit Chris da ist, kommt nicht mehr ständig eine Schwester rein, auch die Nachtschwester hat uns in Ruhe gelassen. Ich habe meine Milch abgepumpt und zum Kühlschrank gebracht und danach verlangt, wenn ich mit stillen fertig war zum zufüttern. Wie es nun weitergeht, wissen wir nicht. Wir warten wieder auf ein Gespräch mit den Ärztinnen. Als wir vormittags ein bisschen schlafen, kommt die Kinder & Jugendpsychologin zur Tür rein – sie wollte sich nur verabschieden, wir sollen weiter schlafen…warum verabschieden, dürfen wir doch nachhause?

Am späten Nachmittag stimmen wir beide der Magensonde zu. Wir müssen dann noch 2x das Sondieren üben und dürfen dann am spätabends nachhause. Ein Erfolg. Vielleicht haben die Ärztinnen gemerkt, dass es uns mehr schaden als nützen würde, wenn sie uns weiter hierbehalten. Ich bin so froh, dass wir endlich gehen dürfen. Das Magensonde legen ist nicht schön, muss natürlich auch noch direkt mit Lehrling gemacht werden – „Willst du auch das Blubbern im Magen hören“ – Verdammt, das ist mein Kind und kein Lehrstück. Ich wurde noch nicht einmal gefragt – Im Gegenteil, ich soll mich weiter wegstellen, damit sie besser hinsieht. Außerdem stimmen wir einer Betreuung durch den bunten Kreis zu, auch das ist wohl nötig, damit wir gehen können. wir sind sehr skeptisch, aber man versichert uns, dass sie nichts mit dem Jugendamt zu tun haben, uns lediglich eine Hilfe sein sollen und wir jederzeit die Betreuung beenden können. Die Ärzte haben sie wohl mit ins Boot geholt, um nicht das Jugendamt verständigen zu müssen.

Meine Hebamme macht mir am Telefon Mut, dass wir die Magensonde ohnehin nicht brauchen werden und dass ein Baby schließlich keine Mastgans ist 🙂 Sie ist so ein Engel. Dann kommt die nächste Hiobsbotschaft – unser Kinderarzt verweigert eine weitere Behandlung oder uns das Coffeinrezept auszustellen. Weil ihm die Entfernung von uns zu seiner Praxis zu weit weg ist und er nicht die Verantwortung übernehmen möchte. Prima. aber auch das Problem klärt unsere Hebamme mit dem Kinderarzt in ihrem Gynzentrum.

Sein Bilirubin ist leicht erhöht aber noch in der Norm. uns sein B12 Wert super 🙂 Nur sein Eisenwert ist etwas niedrig, da möchte man uns auch direkt Tropfen aufschreiben aber ich bin informiert und sage, dass ich alles über die Muttermilch gebe und dementsprechend selbst supplementiere. Dazu sind sie hier auch nicht wirklich informiert.

Am späten Abend können wir endlich, endlich die Klinik verlassen – ich trage Mattis auf dem Arm, Chris die Babyschale – da braucht er ja nicht länger rein als nötig – möchte mich noch höflich von den Schwestern verabschieden und muss stattdessen tatsächlich schon wieder diskutieren, warum ich das Kind trage und nicht in die Babyschale setze. Nicht dass er mir runter fällt…

Und so geht es nun endlich nachhause und ich fühle mich tatsächlich, ungelogen, als würde ich nach einem langen harten Kampf vom Schlachtfeld nachhause kehren. Ich freue mich auf zuhause und habe gleichzeitig Angst davor, zurückzukehren. Habe meinen Mann darum gebeten, das Geburtszimmer so zu belassen und auch den Pool noch nicht weg zu räumen, möchte dort nochmal mit ihm und Mattis baden und gleichzeitig weiß ich nicht, wie es sein wird in das Zimmer zu kommen.

Und dann verbringe ich den gesamten nächsten Tag dort, mit Kerzen eingekuschelt auf das Bett und meine Freundin bringt die Kinder vorbei und Suppe und Kuchen und ich bin so überglücklich endlich hier zu sein. Gleichzeitig bin ich unendlich traurig, soviel verpasst zu haben. Das Blessingway, die Lotusgeburt, das frühe Wochenbett mit ganz viel Bonding und mache mir auch Vorwürfe, was ich hätte besser machen können, damit er nicht so früh gekommen wäre. Aber es ist wie es ist.

Wir hatten die Coffeingabe und den Monitor tatsächlich an der Backe bis er 2 Monate alt war und hätten es wahrscheinlich noch viel länger gehabt, wenn wir ausschließlich auf den Rat der Ärzte gehört hätten und nicht eigenverantwortlich langsam das Coffein reduziert hätten. Der Monitor hinderte uns auch sehr am nackt Kuscheln, er war nur nach dem Baden alle paar Tage mal nackt bei mir. Später hatten wir ihn zwar eh nur noch nachts dran aber die Elektroden trotzdem auch tagsüber, um nicht zu viele zu verschwenden. Und auch nachts zum Seite wechseln beim Stillen war es sehr umständlich. Wir sind nun jedenfalls heilfroh, dass er weg ist.

Das war ein sehr langer Geburtsbericht und ich weiß, dass es den ein oder anderen Leser stören wird, dass ich über die ganzen Interventionen in der Klinik so negativ schreibe – ich weiß natürlich, dass die Medizin eine wichtige Errungenschaft darstellt. trotzdem bin ich der Meinung, unser Klinikaufenthalt hätte nicht sein müssen und wenn doch, hätte er auch deutlich eher enden können und weitaus angenehmer gestaltet sein können.

Mattis hat insgesamt 12 % abgenommen – bis zu 10% sind normal, aber er war ja auch ein Frühchen. klar sind da 12 % Abnahme sehr viel, das ist mir bewusst. aber wenn ich schon nach wenigen Tagen merke, dass ich einen Milcheinschuss habe, wenn mein Kind stillt und nasse Windeln hat und ich täglich mehr Muttermilch abpumpen kann, dann ist es doch wohl logisch, dass das Kind auch irgendwann wieder zunimmt. Bereits nach 14 Tagen hatte Mattis sein Geburtsgewicht wieder erreicht und das komplett ohne zufüttern und ohne die Magensonde zu nutzen, die er sich selbst gezogen hat.

Es schockiert mich nun umso mehr, dass die meisten Frauen diese Behandlung und Bevormundung in der Klinik als ganz normal und gut ansehen und es garnicht anders kennen. Und es wundert mich auch nicht, dass so viele Frauen, denken, sie hätten zu wenig Milch und in die Zufütterungsspirale kommen.

Hätte ich mich nicht so gut aufs Stillen vorbereitet und so vehement durchgesetzt, säße ich nun mit Fläschchen, Schnuller, Stillhütchen und einer fetten Saugverwirrung da. (Wobei diese Saugverwirrung ja nur ein neuer Trend von Ökomamis ist – laut Arzt) Und nach anfänglichem Hadern und Zweifeln kann ich heute sagen: Ja, ich würde es wieder so machen, ich bereue nicht, dass wir zuhause geblieben sind und werde auch beim nächsten Kind wieder zuhause bleiben.

Das Ganze zu verarbeiten, wird wohl noch einige Zeit dauern. Mein Mann und ich haben mit unserem Mattis einige Wochen später nochmal im Geburtspool gebadet, abends im Kerzenschein, mit derselben Musik, die auch bei der Geburt lief und Mattis danach ausgiebig gestreichelt und massiert. So konnten wir zumindest in unserem Geburtszimmer noch einmal zu einem guten Abschluss kommen.

 
 
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